Stadtfest Trostberg vom 23.06.07

 

Ich bin nicht so sehr der Freund des "Friede, Freude, Eierkuchen"-Prinzips und ich denke, dem geneigten Leser eines solchen Konzertberichtes sollten auch die negativen Ereignisse eines Events, wie diesem nicht vorenthalten werden. Er sollte sich dessen bewusst sein, dass so etwas anderen Bands genauso passiert. Nur sind wir in der Band uns alle einig darüber, dass wir die Dinge auch beim Namen nennen. Die Umstände, die letztlich dann doch zum Auftritt von "Elsbeth" beim Stadtfest Trostberg führten, waren diesmal von einer Art, die mich leicht in "Rotation" versetzten.
Wer immer eine Meinung dazu haben sollte, kann sie jederzeit in der Splatterbox äussern. Ich lösche auch keine negative Einlassung, es sei denn, sie entspränge einem leeren Tassen-Schränkchen.

Dem Stadtfest in Trostberg gingen, dem Publikum verborgen, einige Querelen voraus in deren Verlauf der eigentlich schon 3 Wochen vor dem Event feststehende Auftritt von Elsbeth wieder in Frage gestellt wurde. Argument der "Bedenkenträger" war das angeblich unpassende Songmaterial von Elsbeth an einem gewöhnlichen Stadtfest, das nach deren Meinung für das Publikum zu progressiv sei. Ich habe den Bassisten der Band "Straight Damage", der Intiator und Mit-Organisator des Events war und der uns eingeladen hatte, selten so schlecht gelaunt erlebt. Aber meine eigene war zu dieser Zeit sicher nicht besser. Jedenfalls wurde dann doch irgendwann eine Einigung erzielt und es sollten also zum Stadtfest Trostberg die "Rakez", "Straight Damage" und "Elsbeth" auftreten.

Als es dann endlich so weit war und ich zum Aufbauen zum Veranstaltungsort kam, war ich erstmal wenig begeistert darüber, dass sich die Bühne als Ladefläche eines LKW entpuppte, der genau vor dem Eingang der Polizei parkte. Nicht wegen der permanenten Präsenz der sogenannten Ordnungshüter, sondern weil ich mit den akustischen Gegebenheiten auf solchen Ladeflächen bisher immer nur sehr schlecht zurechtkommen bin. Der Aufbau der Anlage gestaltete sich dann aber unter den Bands recht kollegial und es gab niemanden, der sich da etwa gewissenhaft um seine "Fans", oder Partner kümmerte, oder sich einfach nur wie wärmende Nachmittagssonne auf den Bauch scheinen liess, während die anderen die Anlagenteile auf die Bühne schleppten. Man war sich sogar über den Obolus einig, der für die Getränke notwendig war, da der Veranstalter sich nicht blicken liess, um die langsam in der heissen Sonne ausdörrenden Kehlen mit Flüssigem zu versorgen. Es war auch kein Lichtblick in Sicht, als der dann endlich ankam. Das Aufstellen seiner Biertische und das Platzieren seiner hoffnungslos überteuerten Wurstsemmeln war ihm wichtiger.
Trädei und Lemy von den "Rakez" installierten mit gewohnter Routine die Anlage, die Unstimmigkeiten im Vorfeld waren zu diesem Zeitpunkt nahezu vergessen....

Nach ein paar Meinungsverschiedenheiten bezüglich meines doch etwas ausgeprägten Gitarrensounds zum Soundcheck begann Elsbeth als erste Band gegen 18:00 mit dem ersten Teil des Programms. Es war für mich Premiere dahingehend, dass ich mir energisch vor einem Konzert nicht meinen Sound bis zur Unkenntlichkeit verbiegen lasse. Mit meinen gewohnten Einstellungen lief also der Opener an und die Mühe, die ich hatte, im etwas schwammigen Bühnensound den Takt der Eröffnungs-Sequenz zu halten, war ein Hinweis für mich darauf, dass ich heute wieder viel mehr als gewohnt, mit einigen "Auslassern" rechnen musste, die ich dann auch recht schnell hinter mir hatte. Die Leute, die sich mittlerweile auf den Bänken niedergelassen hatten, verliessen aber nun nicht fluchtartig das Terrain, oder wandten sich angewidert ab, es gab Applaus und Interesse.
Diesmal hatte der Trädei scheinbar mit seinem Spass am Konzert den grössten Anteil daran, dass die meisten Songs dann doch gut ankamen.Was man halt von einem Frontman auch erwartet. Der PA-Sound unten an den Biertischen war perfekt, ich aber musste manchmal schon etwas die Zähne zusammenbeissen. Henning hatte auch seinen guten Tag, nur Rüd schien durch die Uli, seine Freundin unten im Publikum, etwas abgelenkt zu sein.

Der zweite Set war technisch besser, als der erste. Naja, vielleicht empfindet man das als Akteur auch nur so, weil sich mit der Dämmerung auch die Empfindung ändert und man auch schon warmgespielt ist. Wir hatten uns bei der Programm-Zusammenstellung darauf geeinigt, die wirklich abgedrehten Stücke nicht zu spielen, um das Publikum nicht zu sehr zu verschrecken und mir war so, als hätte ich vor der Bühne auch ein paar Leute tanzen sehen. Ob es nun richtig war, das Programm zu "kommerzialisieren" ist im Nachhinein kaum zu beurteilen. Die "Schleudermaschine" wäre an diesem Ort sicher der Exot schlechthin gewesen und ich bin ja bekanntermassen ein Freund von Experimenten.

An diesem Abend war ich vom "Handwerklichen" wegen des Auftritts in zwei Bands an der Grenze meiner Leistungsfähigkeit angelangt. Es war das erste Mal, dass ich es erleben musste, wegen eines Krampfes meine Finger nicht mehr ausstrecken zu können. Ich hatte mit Mühe und Not das Solo des drittletzten Songs des Abends mit zwei Fingern über die Runden bekommen und war heilfroh, als der Event endlich für mich zu Ende war.

Nach meiner Meinung hat Elsbeth mit diesem Programm ganz gut zu dieser Veranstaltung gepasst, die im Übrigen von der Lokalpresse komplett ignoriert wurde und in der Stadtfest-Reprise des örtlichen Blattes keine Erwähnung fand. Ich dachte, dass die geistige Haltung der mit Scheuklappen versehenen Froschperspektive, aus der nur ordentlich aufgeblasene Heissluft-Probanden wahrgenommen werden, im 21.Jahrhundert eigentlich auf dem Rückzug wäre.
Es war auch das erste Mal, dass ich mit einem übereifrigen Schankkellner um mein zweites Bier des Abends streiten musste, das ich aus unserem selbstbezahlten Kasten aus dem Kühlwagen holen wollte. Ich öffnete die Flasche und zog begleitet vom Geplärre bezüglich der Eigentumsverhältisse des Kühlwagen-Bestandes wieder von dannen. Dass sich plötzlich inmitten des "Straight Damage" Konzertes ein Kleinlaster mit Anhänger den Weg durchs Publikum bahnte und ansetzte, über Lemys geheiligtes Multicore-Kabel zu fahren, war ein Hinweis darauf, wie man es im Lager der "Tara-ditionellen" denn mit der vielzitierten Anständigkeit hält. Verständlich, dass Lemy sich plötzlich zu einem Derwisch verwandelte, von dem nur noch Hände und Haare zu sehen waren und den Schausteller, den angesichts seiner prall gefüllten Kasse nur noch Fluchtgedanken beschäftigten, minutenlang über sein teures Multicore dirigierte. Es gibt halt immer noch Dinge, die man nicht für möglich gehalten hätte.
Ich hielt meine doch etwas gedämpfte Laune dann mit Bravour selbst im Augenblick auf einem erträglichen Level, als irgendwann von irgendwelchen Bier-und Essensmarken die Rede war, die die Bands lange vor dem Konzert hätten bekommen sollen.

Nachdem gegen 1:15 die Rakes die Veranstaltung beendet hatten, wurde mit dem selben Zusammenhalt, wie zuvor beim Aufbau die Anlage wieder deinstalliert sodass ich gegen 2:15 den Ort des Geschehens verliess, um um 5:30 mit dem Zug ins 700 km entfernte Suderburg zu fahren und in 10 Std. auf meinem neuen Zweirad über die Autobahn wieder zurück nach Hause "flog". Ein ziemlich turbulentes Wochenende ging Montags um 2:00 zu Ende, als ich in die Kissen sank. Ein Arbeitskollege, dem ich diese Geschichte am Montagmorgen erzählte, meinte dazu nur lakonisch: "Dir is fei a nix z'bläd". Stimmt. Aber es sind genau diese wahnsinnigen Aktionen, die die Jahre zu überdauern vermögen und die man später gerne immer wieder still und heimlich geniesst. Alltag gibt's doch in Hülle und Fülle und der fliegt in Windes Eile vorüber. Und Elsbeth auf einem Stadtfest gibt's ja auch so schnell nicht wieder. Jedenfalls nicht bei einer derartigen Bewirtung.

Elsbeth's stranger ways...as you can see.

(RS 3.10.07)