Im Gasthaus Kriegenhofer in Traunstein am 10.11.07

 

Es scheint kaum ein Konzert von Elsbeth zu geben, das auf gewöhnlichem Wege stattfindet. Erst eine Woche vor dem Auftrittstermin erfuhr ich vom Henning am Telephon, dass das Konzert beim Kriegenhofer mit den UFB nun doch durchgeführt werden würde, obwohl ich davon ausgegangen war, dass der Wirt gar keine Lust dazu hatte. Womöglich hätten wir von dem Termin erst am Auftrittstag erfahren, wenn die Andrea nicht zufällig zum dortigen monatlichen Musikerstammtisch gegangen wäre und dann den Henning informiert hätte. So setzten wir also noch eine Zusatz-Probe an und hofften, dass diese Vorbereitung ausreichen möge. Natürlich waren wir kaum in der Lage, nun noch etwas Werbung für diesen Event zu machen. Die Prämisse für dieses Konzert war dann also "maximaler Spass bei minimalen Kosten". Kurz eine "No Budget"-Veranstaltung, wie sie öfter Mal in einem Band-Dasein vorkommt.
Der Freitag vor dem Konzert begann mit dem Ableben meines geliebten Heinrich, meines 20 Jahre alten Mercedes-Benz, der mich 8 Jahre mehr oder weniger treu begleitete und ein Opfer jugendlicher Fahrkünste wurde. Rups, Bassist der "Straight Damage" erklärte sich freundlicherweise dazu bereit, mein Equipment nach Traunstein zu karren. An diesem typisch nasskalten Novembertag schleppten wir also mein Equipment in den Veranstaltungsraum ins Gasthaus Kriegenhofer, der uns gleich mit einer beissenden Kälte empfing.

Jedes Wirtshaus scheint eine bestimmte Sorte von Stammtisch zu haben. In der Hundskugel ging es seinerzeit ruhig und beim verlängerten Frühschoppen am Nachmittag eher bedächtig ab. Hier wurde am Stammtisch so laut gelacht, dass sich die Holzscheite im knisternden Ofen bogen.
Aufbau und Soundcheck gestalteten sich aufgrund der reduzierten Anlage unkompliziert. Das Amp-Rack der Elspeth-PA half mit Endstufen-Power mit, aus den vorhandenen Boxen und denen die die UFB zur VErfügung stellten, einen akzeptablen Sound zu holen.
Gegen 21:30 wollten sich immer noch nicht viele Leute auf ein Live-Konzert einlassen, aber nachdem alles Warten nichts half, starteten die UFB dann die Fahrt in den Untergrund, die ich vor langer Zeit schon in der Splatter-Box angekündigt hatte. Zwischendurch besuchten der Henning und ich die Veranstaltungs-Konkurrenz beim Freiberger, um zu sehen, ob sich dort eventuell mehr tat, als bei uns. Ich glaube aber, dass UFB verglichen mit der Cover-Band, die dort aufspielte schon zum Death-Metal Bereich zu zählen gewesen wäre.

Als ich dann gegen 22:30 mit Elsbeth den Opener startete, war auch nicht mehr los, dafür waren die UFB und deren "Anhang" da. Bei uns waren es die Leute um "Straight Damage", Fanny von den "Rakes" und die Andrea, die uns nicht im Stich gelassen hatten und gekommen waren.
Zusammen mit der sich unablässig drehenden Spiegelkugel hatte ich nun zumindest die Illusion einer besser besuchten Veranstaltung.
Was nun kam, war eines der besten Konzerte, das wir seit langem abgeliefert hatten, trotz der musikalischen "Unfälle", die hin und wieder einmal passieren. Wir hatten kein Konzertprogramm und die Songs aus dem Gefühl heraus auf der Bühne ausgewählt, was sich im Nachhinein als gelungene Aktion erwies, aber nicht immer gut gehen muss.
Ein Schnaps serviert vom UFB-Zampal liess mich darüber hinwegkommen, dass ich mal wieder den Keyboardteil der Schleudermaschine versemmelt hatte.
Wir spielten dem "tobenden" Publikum zwei Zugaben, ehe wir den Konzertabend beendeten und der gemütliche Teil der Veranstaltung begann, bei dem am Klavier und mit den umsitzenden Leuten die Hits verganener Jahre geträllert wurden. Insider behaupteten, es könne bis morgens um sechs dauern, ehe diese Sangeslust der Müdigkeit weichen würde. Zur Schleudermaschine hatten diesmal, Rekord verdächtig, drei Leute getanzt. Respekt dem Trädei der angesichts eines wirklich hartnäckigen, völlig paralysierten Besuchers, der einen Geburtstagswunsch äusserte, die Fassung behielt. Der Paralysierte und das Geburtstagkind Oliver übernahmen unmittelbar nach dem Konzert die Bühne.:-))

Dieser Abend war für den Wirt wohl eher ein Verlustgeschäft, so ungeniert, wie wir uns seine Getränke in die Gurgel schütteten.
Selbst, wenn es nur ein paar Wiener waren, die es zu essen gab, es gab aufgrund der sauflustigen Mitglieder zweier Bands kein Murren und hier zählte für mich ausschliesslich der gute Vorsatz. Ich hoffe, dass es diesen Kriegenhofer noch lange gibt und wir irgendwann mal dieses Engagement, das der Wirt zeigte, mit einem besser gefüllten Haus zurückgeben können.

Was die UFB anbetraf, hatte ich mich in ihnen nicht geirrt. Ich hatte lockere Leute und eine gelöste Athmosphäre erwartet und kein misstraurisches gegenseitiges Bemustern einhergehend mit Starallüren, oder bissigen Kommentaren hinter vorgehaltener Hand.

So viel Spass hat mir ein Konzert schon lange nicht mehr gebracht. Wir sind uns auch einig darüber, dass die Musik der UFB durchaus Ähnlichkeit mit den Dingen hat, die Elsbeth vor mehr als 10 Jahren gemacht haben und diese wohl eine Art Verwandte sind.

Mag sein, dass das nun finanziell eine Nullnummer war, vom Spassfaktor her und von der Intensität war es eines der besten Konzerte seit langer Zeit. Ich glaube, dass der, der dieses Konzert vesäumt hat, wirklich etwas verpasst hat.
Als ich gegen halb Drei die Augen im Bett schloss, zogen immer noch die Lichtreflexe der Spiegelkugel an meinem geistigen Auge vorbei. Ein Event mit Langzeitwirkung....

 

12.12.07/RS