90.2KRock Stiegen-Open Air 30.08.05

 

 

Als ich am Vormittag mit einem Gefühl der Übelkeit das Gelände betrat und gleich den Henning antraf, der sofort einen Veitstanz aufführte, nachdem er erkannt hatte, dass ich seinen Autoreifen bereits zur Komplett-Entleerung meines malträtierten Magens ins Visier genommen hatte, hatte ich gerade mal eine Stunde Schlaf im Auto hinter mir. Henning war nicht davon zu überzeugen, dass es zur gründlichen Innenreinigung immer eines ausgesuchten Gegenstandes bedarf, der mit organischen Säften versehen werden muß. Also verkniff ich mir das noch einmal.
Die Zeit bis zu unserem Auftritt um 20:00 war dennoch sehr schnell verflogen. Ich vertrieb mir die Langeweile, indem ich Henning unablässig von der Bierbank ins Gras zu befördern versuchte und stattdessen selbst dorthin flog, was sich sehr positiv auf meine Gesamt-Konstitution auswirkte. So schlürfte ich dann ein paar Bierchen, verleibte mir von der gutaussehenden Obinger John+Rita Delegation eine Bosna ein, oder silberblickte zu den reizenden Damen der Club-Stiege-Mannschaft. Ich weiß nicht, ob es an der netten Bedienung, ober an meiner Schusseligkeit gelegen hatte, dass ich das 92K-Rock-T-Shirt mit der Bosna vollsabberte, kaum dass ich es angezogen hatte. Naja, die war durch Überladung mit Senf auch äusserst druckempfindlich. Wir hatten nicht gerade Glück mit dem Wetter. Die Regentropfen glitzerten in den Strahlen der Bühnenbeleuchtung und befeuchteten nachhaltig den Bühnenrand, den wir dem Wetter preisgeben mußten. Wenigstens konnte der Zettel mit dem Programm nicht weggeweht werden, er klebte in einer Pfütze. Das Bühneninventar musste jedoch vom Regen etwas geschützt werden und Bühnen einwärts rücken, sodass es ein wenig enger für uns wurde.

Schneller Soundcheck und schon lief der Opener. Dafür, dass diese Nacht so lang war, spielte es sich bei mir eigentlich ganz gut...bis auf ein paar Stellen, bei denen ich für die lange Nacht Tribut zollen mußte und, wie sagt man es so schön, dem Publikum eine Alternativ-Version präsentieren durfte. Dass diese bei meinen Bandkollegen nicht so sehr den Anklang finden, weiss ich ohnehin.
Der Applaus kam irgendwie aus einer schwarzen Wolke heraus, weil man vom Publikum, das Schutz unter den schwarzen Planen suchte, nur wenig mitbekam...aber er kam. An dieser Stelle gilt mein besonderer Dank dem Metal-Nachwuchs, der sich vom Pisswtter nicht beeindrucken liess und nicht zu überhören war. Wir sehen uns beim André wieder, dann bin ich wieder Publikum.

Bleibenden Eindruck hat mein kleiner Fender-Amp bei mir hinterlassen, der mir mit einer Power in den Rücken gebraten hatte, dass mir Rüd's erhöht platziertes Schlagzeug schon fast zu leise wurde. Trädeis Tele konnte ich zum ersten Mal richtig gut aus dem Monitor schneiden hören, entgegen der Verhältnisse im Übungsraum...auch wenn sie einmal ein Stück einen Ton zu hoch beginnen sollte....it's "live".
Rüd und Henning liessen diesmal keine Ausreisser zu und das, obwohl sie am Morgen die Anlage aufgebaut hatten. Dass Trädeis Stimme für meine Begriffe in den Songs eine zentrale Rolle spielt, muss ich eigentlich nicht explizit erwähnen. Sie kam, wie gewohnt....selbst beim ultra-neuen und im Übungsraum immer noch etwas wackeligen "Strange-Ways". Trädei hatte die Anlage aufgebaut, bereits alle vorherigen Bands abgemischt und machte damit bis zum Ende des Festivals weiter.
In den wenigen Passagen, in denen ich zweite Stimme singe und mich selbst wieder einmal nur über die PA, statt über den Monitor gehört hatte, war der Gesang stimmig. So kam das Feeling z.B. bei "FridayNight" auf der Bühne, wie es sollte und ich konnte beim Satz "you have to leave this chamber" ein paar Takte lang auf einer Emotio-Welle surfen. Nur musste ich aufgrund meines doch etwas strapazierten Zustandes beim Spielen mehr aufpassen, als es mir gewöhnlich lieb ist.
Ich bin immer etwas in Trance, wenn ich auf der Bühne bin und hätte in Andy Brandl von "Traumpfad" eigentlich einen wohlwollenden und auch erfahrenen Mischer keine Schwierigkeiten gehabt, einen besseren Bühnensound zu bekommen. Es ging dennoch ganz gut, trotz meines Live-Tunnel-Blickes und den PA-Sound hat er erstklassig hinbekommen.

Mein weniger geliebter "She's not there"-Verschnitt als Zugabe wurde noch richtig gut, was mich dann allerdings doch etwas verwundert hatte, weil dieser Song für mich immer eine Laune-Bremse ist. Meine Empfindung wird jedoch von niemandem, weder in der Band, noch vom Publikum, geteilt.
Dieser Abend hat meine letzten Reserven gefordert. Man sollte in einem gewissen Alter nicht so leichtfertig mit seinen Resourcen umgehen.
Das Konzert war aufgrund meiner subjektiven Meinung, von der besseren Kathegorie, ein paar Haken werden sich nie vermeiden lassen können und recht machen kann man's sowieso niemandem. Der Regen hätte allerdings etwas früher aufhören können.

So packte ich mit Erleichterung zusammen, räumte ab und bezog am Aussenposten Stellung, um meinen Beitrag zum Festival einzubringen und zusammen mit zwei Jungs von "Bloodshot" bis Mitternacht zu kassieren. Dass ich dort draussen nicht einschlief, verdankte ich dem Umstand, dass zwei nicht mehr ganz nüchterne Konzertbesucher eine Dreiviertel-Stunde lang im Scheinwerferlicht ihres Autos versucht hatten, ein Zelt aufzubauen, den "Traumpfadlern", die ein für mich unbekanntes Open-Air Programm spielten, in dem sie einen uralten Focus-Gassenhauer coverten und den Wivzaklern, die unablässig lautstark das johlende Volk verätzten.

Als wir am nächsten Morgen unter heimlichem Gefeixe der überlebenden Youngster-Metall-Abteilung die Anlage abräumten und Trädei sich mit einer Cross-Country-Einlage mit Anhänger vom Areal verabschiedete, war dieser Event endgültig für uns zu Ende. Sorry, Jungs, das nächste Mal habe ich für Euch vielleicht eine Dose Ravioli zusätzlich eingekauft. Aber manche hatten ohnehin, wie ich Tags zuvor mit ihrem rebellierenden Magen zu kämpfen und hätten eine geöffnete Dose Ravioli nur als "Auswurf"-Beschleuniger missbraucht.

Ich beendete diesen "angebrochenen" Tag nach einem kleinen Pils wohlverdient auf meinem Sofa.

 

R.S. am 5.8.2005

 


 

 

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